Resultate Abendrennen 17. Juni 2025
Newsletter vom 13.06.2025

Die Könige der Rennbahn
Mit den Schweizer Meisterschaften im Sprint steigt am kommenden Dienstag ein erster Saisonhöhepunkt auf der Offenen Rennbahn. Höchst Zeit, um eine Ikone des Zementovals zu würdigen: Supersprinter Oscar Plattner.
Oscar Plattner, geboren am 17. Mai 1922, war nach Ernst Kaufmann der zweite grosse Schweizer Repräsentant im Sprint, der einstigen Königsdisziplin des Bahnrennsports. In Bern, wo der Bündner Oberländer aufwuchs, nannten sie den vifen KV-Stift «Splitter», weil er fast so dünn war wie eine Glasscherbe. Selbst im hohen Alter wirkte Plattner topfit, gertenschlank, ohne Übergewicht.
Schlagfertig und schnell
Auf Plattner trafen viele Attribute zu: gescheit, trickreich, sprachgewandt, schlagfertig, reglementskundig, schnell, sehr schnell, 1956 Weltrekord-Inhaber über 200, 250,500 und 1000 m mit fliegendem Start. Der ehemalige Buchhalter einer Berner Veterinärapotheke hätte wohl auch im Geschäftsleben Karriere gemacht, entschied sich indes für das Radsport-Metier. Als Anfänger, Junior und Amateurgewann er die Meisterschaft von Zürich, die Tessiner, Nordwestschweizer und Waadtländer Rundfahrt wie auch Biel-Lausanne, die Grossen Preise von Bassecourt und Freiburg sowie Kriterien en masse.
1946 lieferte Plattner den eindrücklichsten Beweis für seine Omnipräsenz: Schweizer Mannschaftsmeister über 100 km mit dem Radrennclub Bern, Schweizer Amateur-Strassenmeister und erster Schweizer Amateur-Sprinter-Weltmeister.

1947 wechselte Plattner ins Lager der Professionals und 1950 nach Zürich. Obwohl der kluge Taktiker auch als Berufsfahrer internationale Strassenrennen dominierte (1948 Zürich – Lausanne, 1948 WM-Teilnehmer auf der Strasse und der Bahn, 1950 Nordwestschweizer Rundfahrt), konzentrierte er sich fortan auf die Piste.
100 Sechstagerennen
Er bestritt hundert Sechstagerennen und gewann deren acht. Die Sprinter-Weltmeisterschaften trugen dem schlauen Rennfuchs je zwei Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ein, auf nationaler Ebene sammelte er 23 Meistertitel, wovon 20 im «Nobelfach» Sprint. Nur die Tour de Suisse liess Plattner stets links liegen. Er sah im Sommer die Berge lieber von unten; im Winter war es umgekehrt. Davos, wo Plattner einen Zweitwohnsitz besass, lernte den Rad-Weltmeister als eleganten Skifahrer kennen.
30 Minuten bockstill
Auf dem Rad war Plattner je nach Situation schnell oder langsam. Einmal stand er gegen Enzo Sacchi 30 Minuten bockstill, ehe er den Italiener mit einem unwiderstehlichen Angriff überlistete. Ähnliches erfuhren etliche Sprinter seiner Generation: Harris, Maspes, Van Vliet, Derksen, Senftleben, Rousseau. Doch seine Lieblingsgegner waren die Feierabend-Funktionäre. Oft machten sie hilflos die Faust im Sack, wenn der Mann in kurzer Hose Entscheide der hohen Herren anzweifelte und Protest einlegte, worauf Verdikte der Pseudoexperten korrigiert werden mussten.
Nach seiner 18-jährigen Profikarriere (1947 bis 1965) hätte sich Oscar Plattner getrost ins Stöckli zurückziehen können. Er hatte gut verdient und seine Gagen zum Teil in Immobilien gewinnbringend angelegt. Aber der weitgereiste Ex-Professional wählte nicht den Weg des geringsten Widerstands. Er absolvierte in Magglingen den ersten Schweizer Nationaltrainer-Kurs und wurde von 1966 bis 1982 der wohl erfolgreichste Schweizer Nationaltrainer.
Erfolgreicher Trainer
Die Medaillen, die er einst selbst gesammelt hatte, fuhren jetzt seine Eleven heraus. Xaver Kurmann, Robert Dill-Bundi, Daniel Gisiger und Urs Freuler waren des Meisters Musterschüler. Sie alle (und tausend andere) profitierten von Plattners gelungenstem Wurf, dem 1966 geschaffenen Kilometer-Test. Diese für den Nachwuchs äussert segensreiche Institution überlebte seinen Erfinder und dient auch heuer wieder als Sprungbrett für junge Talente. Oscar Plattners Verdienste um den Schweizer Radrennsport reichen weit über seinen Tod im August 2002 hinaus. Auf der Offenen Rennbahn sind sie bis heute zu spüren – besonders stark am kommenden Dienstag.
Dienstag, 17. Juni 2025.
Ab 16.00 Uhr: Schweizer Sprint-Meisterschaften U17, U19, U23, Elite.
Finals ab 20.10 Uhr.
Übriges Programm:
17.45 Uhr: Punktefahren (U17, U19, Frauen).
18.20 Uhr: Ausscheidungsfahren (U15/U17, Frauen U17, U19).
20.00 Uhr: Scratch (U15/U17, Frauen U17, U19).
20.30 Uhr: Ausscheidungsfahren (U19, U23, Elite).
21.05 Uhr: Punktefahren (U19, U23, Elite).
21.45 Uhr: Siegerehrungen Schweizer Sprint-Meisterschaften.
22.00 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 10. Juni 2025
Newsletter vom 06.06.2025

“Die Rennbahn besitzt einen einzigartigen Charme”
Sechsfacher Schweizer Meister, Champions-League-Sieger, WM-Silbermedaillengewinner, über 300 Länderspiele, 16 WM-Teilnahmen. Lebende Legende der ZSC Lions. Und stolzer Oerliker!
Mathias Seger (im Bildrechts – mit Wisel Iten) ist eine Ikone des Schweizer Eishockeys. Und er ist Stammgast auf der Offenen Rennbahn – jeweils auf der Gegentribüne, wo er es sich im Scheine der Abendsonne mit Freunden und Familie gemütlich macht. Im Interview erklärt der 47-jährige Familienvater seine Faszination für die alte Rennbahn.
Mathias Seger. Wie oft sieht man Sie auf der Offenen Rennbahn?
Immer, wenn es schönes Wetter ist. Das heisst: Wenn ich nicht gerade in den Ferien bin, sind die Dienstagabendrennen für mich fixe Termine.
Was macht für Sie diesen Ort aus?
Die Rennbahn besitzt einen einzigartigen Charme – und ganz viel Sportromantik. Hier treffen sich Menschen aus allen Schichten und Altersklassen. Familien verbringen den Feierabend hier, viele Stammgäste sieht man jeden Dienstag. Es gibt wunderbare Bratwürste, kühles Bier – und hochklassigen Sport. Auch für mich ist es immer wieder faszinierend, was die Bahnradfahrer leisten.
Und als Oerliker müssen sie eine doppelt spezielle Verbindung mit der Rennbahn haben?
Absolut. Wir wohnen in einem Haus in der Nachbarschaft, das noch ein Jahr älter ist, als die Rennbahn – erbaut im Jahr 1911. Auf der Rennbahn ist die Geschichte förmlich greifbar – sportlich, aber auch städtebaulich. Und es gibt einen Mann, der diese Historie vermittelt wie kein Zweiter: Wisel Iten. Wer das Vergnügen hat, mit ihm zu sprechen, kann sich der Faszination dieser Sportarena nicht mehr entziehen. Dazu kommt die wunderbare Atmosphäre: Ein friedliches Beisammensein mit der Skyline von Oerlikon im Hintergrund.
Sie sind an einem Restaurant beteiligt (Venus Bistro) und produzieren ein eigenes Bier (in der Brauerei Oerlikon). Bleibt da noch Zeit zum selber Velofahren?
Unbedingt. Und schon als Kind – und auch später als Eishockeyspieler – bin ich viel Rad gefahren. Ich habe es sogar im Juniorenalter zu den Schweizer Meisterschaften im Kilometertest geschafft. Auch auf der Bahn bin ich schon gefahren. Dazu kann sich sagen: Es sieht viel einfacher aus, als dass es ist. Aber wer bei Wisel den Kurs besucht, ist auf der sicheren Seite.
Was kann man als Eishockeyprofi von den Radfahrern lernen?
Die Fähigkeit, während längerer Zeit voll ans Limit zu gehen. Eishockey läuft mehr nach dem Intervallprinzip ab. Aber im Radsport muss man teilweise über Stunden die eigenen Grenzen ausloten. Für alle Sportarten gilt: Man lernt anderswo oft Dinge, die in der eigenen Sparte nicht möglich sind.
Was wünschen Sie sich für die Offene Rennbahn für die Zukunft?
Dass der Ort so erhalten bleibt, wie er ist – und dass man den Geist dieser einzigartigen Sportstätte in die nächste Generation transportieren kann. Es wäre schön, wenn sich auch noch mehr jüngere Menschen für die Rennbahn einsetzen würden – wie es Wisel und seine tapferen Helferinnen und Helfer tun.

Programm. Abendrennen 10. Juni. 2025.
18.40 Uhr: Tempofahren (Elite, U23, U19).
19.10 Uhr: Derny, 1.Lauf (Elite, U23).
19.35 Uhr: Tempofahren (Frauen, U19, U17).
19.50 Uhr:Ausscheidung (Elite, U23).
20.00 Uhr: Pause.
20.15 Uhr: Punktefahren (Frauen,U19, U17, U15).
20.30 Uhr: Scratch.
20.40 Uhr: Ausscheidung (Frauen, U19).
20.50 Uhr Derny, 2. Lauf (Elite, U23).
21.30 Uhr: Punktefahren (Elite, U23, U19).
22.00 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 03. Juni 2025
Newsletter vom 30.05.2025

Die tollkühnen Piloten auf ihren schweren Töffs
Im Volksmund werden sie Kohlensäcke gerufen. Doch dies wird ihrer Tempofestigkeit nie und nimmer gerecht. Sie rasen mit fast 100 Sachen durchs Zementoval und diktieren das Geschehen offensiv mit. Sie sind die heimlichen Helden der Rennbahn. Fehlen dem Schrittmacher im Steherrennen Gefühl, Intuition und Überblick, hat der Pedaleur im Windschatten keine Chance.
Wobei das generische Maskulin «Schrittmacher» auf der Offenen Rennbahn seit zwei Jahren überholt ist. Mit Nicole Fry diktiert seither auch eine Frau die Pace – was einigen Puristen noch immer leichte Bauchschmerzen verursacht. Doch dies ist eine andere Geschichte.
Das letzte Abenteuer
Steherrennen gehören zu den letzten grossen Abenteuern der Sportwelt. Dies lässt sich auch an den schweren Maschinen ablesen: Es sind umgebaute Strassenmotorräder mit 850 Kubikzentimetern Kraft und einem Gewicht von 230 Kilogramm. Angeschafft wurden sie 1993 vom legendären Hallenstadiondirektor Sepp Voegeli. Seither werden sie in Oerlikon gehegt und gepflegt wie eine aussterbende Tierart. Und dies ist nicht ganz falsch. Oerlikon ist die einzige Bahn, die in der Schweiz noch Steherrennen austrägt.

Im Wilden Osten zuhause
Im Ausland sind die schweren Töffs noch in Singen oder auf den Rennbahnen im Wilden Osten Deutschlands zuhause.
Der Mythos der Steher gründet auch auf dem Risiko, das immer mitfährt. Dies wurde vor 116 Jahren in Berlin mit tödlicher Grausamkeit ersichtlich: Das Motorrad eines Schrittmachers flog ungebremst in die Zuschauerränge – und explodierte. Neun Menschen starben, 40 wurden verletzt. Danach wurden Steherrennen vorübergehend verboten – aber nach Anpassungen im Sicherheitsdispositiv bald wieder erlaubt.

Tragische Unfälle in Oerlikon
Auch die Offene Rennbahn Oerlikon blieb von Dramen nicht verschont. 1927 stürzte der deutsche Steher-Profi Ernst Feja in einem Trainingslauf. Der Reifen hatte sich vom Rad gelöst. Trotz Sturzhelm erlitt Feja einen tödlichen Schädelbruch.
Ebenfalls im Training stürzte 1938 der Schweizer Werner Walter. Bei seinem Rad platzte bei einer Geschwindigkeit von rund 75 Kilometern pro Stunde der Vorderpneu. Auch er hauchte auf der harten Bahn das Leben aus.
Heute viel sicherer
Der letzte Steher, der in Oerlikon tödlich verunfallte, war vor 80 Jahren der erst 23-jährige Zürcher André Hardegger. Seither sind die Steherrennen viel sicherer geworden. Das Material ist stabiler, die Motorradfahrerinnen und Fahrer sind besser ausgebildet. Wer sich auf einen Schrittmachertöff setzen will, muss eine aufwendige Prüfung ablegen – in Theorie und Praxis. «Bei uns hat die Sicherheit oberstes Gebot», sagt Rennbahnchef Wisel Iten. Dies gilt auch für die Wartung der Maschinen, die zweimal pro Jahr einem Servicecheckunterzogen werden.
Was die Faszination von Steherrennen ausmacht, lässt sich in Oerlikon das nächste Mal am kommenden Dienstag erleben. Dann stehen die sieben besten Gespanne der Schweiz im Einsatz – sowie der französische Publikumsliebling Emilien Clère. Spannung und Nervenkitzel sind garantiert.
Offene Rennbahn. Oerlikon. 3. Juni 2025. Programm. Ab 17.30 Uhr (u.a.). Schweizer Meisterschaft Einzelverfolgung, Vorläufe (Männer, Frauen, U23). 18.30 Uhr: Scratch (U13, U15). 18.40 Uhr: Ausscheidung (Frauen, U17, U19). 18.50 Uhr: Schweizer Meisterschaft Einzelverfolgung, Finalläufe (Männer, Frauen, U23). 19.20 Uhr: Steher, 1. Lauf. 19.55 Uhr: Ausscheidung (U19, U23, Elite). 20.50 Uhr: Punktefahren (U19, U23, Elite). 21.20 Uhr: Steher, 2. Lauf. 21.55 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 27. Mai 2025
Newsletter vom 22.05.2025

Apokalyptische Fluten und Freude auf die Dernys
Es war, als würde sich der heilige Zorn der Götter über der alten Rennbahn entladen – ein fast schon apokalyptisches Donnergrollen und biblische Sturmfluten wurden losgetreten.
Der zweite Renntag der Saison 2025 fiel sprichwörtlich ins Wasser. Nur die tapferen Inlineskaterinnen hatten auf ihren schmalen Rollen vor dem grossen Wolkenbruch im Innenraum nach 18 Uhr ein paar Wertungen ins Trockene gebracht.
Wie an der Poolbar
Um Punkt 19 Uhr wurde durch die Speaker Sandro Muhl und Andreas Fuhrer die Absage des Renntags bekanntgegeben – mit dem Hinweis, dass die Festwirtschaft gleichwohl geöffnet bleibt. Allerdings erinnerte diese eher an eine Poolbar oder eine Wildwasserattraktion im Europapark Rust. So mussten alle Pedaleure unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen – auch Strassenprofi Silvan Dillier, der schon zum Mal in diesem Frühling die Rennbahn beehrte.

Kleine Motoren, grosse Attraktion
Weil aber bekanntlich selbst nach dem grössten Regen die Sonne wieder scheint, blicken wir schon jetzt mit grosser Vorfreude auf den kommenden Dienstag und die Saisonpremiere der Dernys voraus.
Die Rennen mit den kleinen Schrittmachermotorrädern (ca. 70 cm3 und Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h) gehören zu den grossen Attraktionen in Oerlikon und werden hier zelebriert wie sonst kaum wo.
Roger Derny als Erfinder
Hier ein kleiner geschichtlicher Exkurs: Das erste Derny-Motorrad wurde 1938 vom ehemaligen Radrennfahrer Roger Derny konstruiert, um auf Teilstrecken des 600 km langen Strassen-Klassikers Bordeaux – Paris für Schrittmacherdienste eingesetzt zu werden. Das Herstellerunternehmen Roger Derny & Fils mit Sitz in Paris wurde 1958 geschlossen, die Bezeichnung für diese leichten Motorräder aber blieben.

In 20 Ländern verbreitet
„BurdinDerny“ war die Bezeichnung für das Nachfolgemodell, das Alain Burdin in der Peripherie von Paris produzierte und in ganz Europa verkaufte. Mitte der1980er-Jahre stellte er seine Produktion aus Altersgründen ein. Das meist verbreitete aktuelle Dernymodell wird seit Mitte der 1990er-Jahre von Arie Simon in Belgien produziert und ist auf Radrennbahnen in mehr als 20 Ländern verbreitet – darunter in Oerlikon, wo die meisten Derny-Motorrädern den Schrittmachern gehören.
Am kommenden Dienstag werden diese das Publikum erfreuen. Start der Rennen ist wie gewohnt um 18.45 Uhr. Der Wetterbericht sagt für Oerlikon wechselhafte Witterung voraus. Wir hoffen, bangen – und flehen die Wettergötter an, dass sie ein Herz für Derny-Motoren beweisen.
Offene Rennbahn. Oerlikon. Programm, 27. Mai 2025. U.a. 18.45 Uhr: Scratch Elite, U23, U19. 19.05 Uhr: Punktefahren Frauen, U17. 19.20: Derny Elite, U23. 19.45: Scratch Frauen, U17. 2015: Tempofahren Elite, U23, U19. 20.45 Uhr: Derny Elite, U23. 21.25: Punktefahren Elite, U23, U19. 21.55 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Newsletter vom 16.05.2025

Ein Schweizer Star und zwei japanische Gäste
Rund 900 Zuschauer erlebten auf der Offenen Rennbahn einen gelungenen Saisonstart. Silvan Dillier holte Schwung für die Tour de France und zwei japanische Bahnspezialistinnen lieferten eine beeindruckende Talentschau.
Zur Saisoneröffnung auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon taucht einer der derzeit formstärksten Schweizer Pedaleure auf: Silvan Dillier. Der 34-jährige Aargauer schwärmt vom Zement-Oval.
Der Aargauer hat mit seiner heldenhaften Solo-Führungsarbeit über 200 Kilometer bei Mailand–Sanremo in diesem Frühling eine der herausragenden Leistungen des Radsport-Frühjahrs geboten.
Vorbereitung in der Abendsonne
Am Dienstagabend in Oerlikon zeigte erholt von jenen Strapazen und bestens gelaunt. In der Abendsonne bereitete er sich auf der Rolle auf den erstenEinsatz.
Der Entscheid, heute anzutreten, sei relativ spontan gefallen, sagte er: «Ich habe vor einigen Wochen gesehen, dass es heute losgeht – und realisierte, dass dieersten beiden Rennabende in mein Programm passen könnten. Und bei diesem schönen Wetter liesse ich mir die Chance nicht entgehen».
Bald ins Höhentrainingslager
Derzeit trainiere er zuhause in Schneisingen und habe zeitliche und räumliche Freiheiten. Schon bald ändere sich dies aber, wenn er mit seinem Team «Alpecin-Fenix» ins Höhentrainingslager auf die Tour de France hin einrücke.
Auf dieFrage, wie ernst er diese Bahnrennen nehme, sagt er: «Es ist für mich immer wieder eine grosse Herausforderung. Der Rhythmus ist ganz anders, die Gänge amRad sind ganz anders – höher».
Die Kadenz sei hoch – und damit bieten die Rennen eine gute Mischung aus hoher Frequenz und kurzfristiger Härte: «Es ist eine Belastung, die man auf der Strasse nicht simulieren kann».
Er sei als Jugendlicher das erste Mal auf die Offene Rennbahn gekommen – als 14-Jähriger,beim Final des Kilometer-Tests, der von Urs Freuler organisiert worden war.
Der Respekt vor den steilen Kurven
Beim Blick auf die schier senkrechten Kurven habe er seiner Mutter gesagt: «Mami, hierfahre ich nie ganz oben». Dies sollte nicht lange so bleiben: «Nach einer Woche kurvte ich schon beherzt ganz oben». Seither ist der Bahnsport eine Leidenschaft für ihn: «Ich gehörte dem Bahnvierer an – und absolvierte diverse Weltcups.»
Ob die Tour-de-France-Teilnahme bereits in Stein gemeisselt sei, könne er noch nicht sagen: «Sie ist zumindest in Stein skizziert», so Dillier. Er sei das Rennen schon sechsmal gefahren – es sei der grösste und wichtigste Anlass, den es gebe.
Auf seine weiteren Ambitionen auf der Bahn angesprochen, dämpft er die Erwartungen: «Mittlerweile sind die Fahrer auf der Bahn so spezialisiert, dass man als Gelegenheitsgast einen schweren Stand hat». Der Wechsel von Strasse auf Bahn sie auf ganz hohem Niveau fast nicht mehr zu vollziehen.

Kein Sieg für den Star
Dies realisierte Dillier auch an diesem Startabend in Oerlikon. Er fuhr zwar in allen Rennen mutig und engagiert vorne mit. Doch zu einem Sieg reichte es ihm nicht. Er nahm es gelassen: «Es hätte besser laufen können. Aber jetzt weiss ich immerhin: Es gibt hier noch Luft nach oben.»
Auch den kommenden Dienstag hat er sich Rot in der Agenda eingetragen. Ob er dann aber auch wirklich am Start stehe, könne er noch nicht zu 100 Prozent sagen: «Im Leben eines Radprofis kann sich innerhalb von einer Woche viel ändern.»
Japan-Power zum Saisonstart
Neben Dillier beeindruckten zwei Gäste aus dem Land der aufgehenden Sonne mit ihrer Explosivität und Kraft: Die japanischen Nationalfahrerinnen Mizuki Ikeda und Tsuyaka, die ihre sommerliche Trainingsbasis in der Schweiz haben, fuhren bei allen Einsätzen in die Spitzenränge. Mitgrund für ihren Besuch: Das japanische Nationalkader wird von der Schweizer Bahnlegende Daniel Gisiger betreut.
Das Publikum freut sich schon jetzt auf weitere Rennen mit fernöstlicher Beteiligung – und mit einem Wiedersehen mit Silvan Dillier am kommenden Dienstag. Hoffentlich.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 13. Mai 2025
Ein Bericht zum Saisonstart 2025 ist auf der Webseite zürich24 abrufbar.