Newsletter vom 13.07.2025

Wenn auf der Rennbahn die Boliden kreisen
Es ist ein weltweit einzigartiges Spektakel. Auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon findet mit “Indianapolis” der grösste Anlass der Schweiz für historische Rennsportwagen statt – das nächste Mal am 22. Juli 2025. Mit einem Gast, der globale Motorsportgeschichte schrieb.
Die 500 Meilen von Indianapolis – oder wie sie kurz heissen: Indy 500 – sind quasi der heilige Gral des Automobilsports. Auf dem 2,5 Meilen langen Oval (genannt: der Nudeltopf) mit vier überhöhten Kurven wird das bekannteste Autorennen der Welt ausgetragen. 500 Meilen bis zum Motorsporthimmel, Tempi weit über 300 km/h, 300’000 Zuschauer auf den Tribünen – und Tradition bis zum Abwinken: Der Siegererhält ein Glas Milch.
Das Velodrom wird zur Autorennstrecke
Einmal im Jahr gastiert dieser Ausnahmeevent aus dem mittleren Westen der USA auf der Offenen Rennbahn in Zürich Oerlikon – zumindest im übertragenen Sinne. Der Mann, bei dem auf der Rennbahn die motorsportlichen Fäden zusammenlaufen, heisst Georg Kaufmann. Der passionierte Rennfahrer ist seit der erstmaligen Austragung 2002 für die Organisation (mit-)verantwortlich.
Was heute vermutlich vielen gar nicht bewusst ist: Auf der Offenen Radrennbahn wurden früher nicht nur Velorennen, sondern tatsächlich auch Wettkämpfe für Rennsportwagen ausgetragen.
Wenn “Indianapolis in Oerlikon” in diesem Jahr das 23. Mal stattfindet, werden viele historische Fahrzeuge zu sehen sein, die jedes Motorsportherzhöherschlagen lassen. 2024 beispielsweise konnten die Besucher diverse Vorkriegs-Rennwagen wie den Alfa Tipo B P3 von 1934, die Bugatti 37/35 B undT35 B aus den Jahren 1927 und 1929 sowie einen Lagonda M-45 Le Mans von 1934 bewundern, aber auch viele Renn- und Sportwagen aus der Nachkriegszeit und den1950er- und 60er-Jahren. Insgesamt werden 60 Boliden ihre Runden drehen.
Auch Motorräder und Seitenwagen
Neben den Rennautos sind auch Werksrennsporträder zu sehen, die ältesten aus den 1920-erJahren. Vier der neun Gruppen bestehen aus zweirädrigen Maschinen. Für diesen Teil des Events ist der jüngere Bruder von Georg Kaufmann – Jo Kaufmann – zuständig.

Der Radsport im Zentrum
Georg Kaufmann legt aber Wert darauf, dass auch an diesem Abend normaler (Rad-)Rennbetrieb herrscht: «Es finden Radprüfungen und Steherrennen statt – schliesslich soll der Sport auch an diesem speziellen Anlass nicht zu kurz kommen.»
Damit bezieht sich Kaufmann auf die Ursprungsidee des Indianapolis-Meetings. Der frühere TV-Reporter und grosse Rennbahn-Freund Willy Kym suchte einst eine Möglichkeit, wie man die leicht verstaubte Sportanlage einem breiteren und neuen Publikum wieder in Erinnerung rufen konnte. Kym, ein Mann mit breiter Vista und grosser Sportaffinität, trugt die Idee einer Oldtimer-Exhibition an Rennsport-Romantiker Bernhard Brägger heran.
Wichtige finanzielle Stütze
Und. geboren war der Event. Kaufmann, der zu Beginn als Fahrer teilnahm, erinnert sich: «Zur ersten Austragung kamen 1200 Zuschauer. Seither ist der Anlass kontinuierlich gewachsen.» Heute sorgt er mit fast 6000 Zuschauern für den jährlichen Publikumsrekord auf der Rennbahn. Und weil an diesem Abend der doppelte Eintrittspreis (20 Franken) verlangt wird, leistet die Oldtimer-Show einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Rennbahn während des gesamten Jahres
Eine Motorsportlegende als Stargast
2025 haben Kaufmann und Co. ausserdem einen ganz besonderen Mann auf der Gästeliste: Arturo Merzario. Der heute 82-jährige Italiener fuhr in den 1970-er Jahren acht Saisons in der Formel 1. Ein Sieg blieb ihm zwar verwehrt. Gleichwohl hat er seinen Platz in der Motorsportgeschichte auf ewig auf sicher. Merzario gehörte zu jenen Fahrern, die am 1. August 1976 Niki Lauda nach dessem verheerenden Unfall auf dem Nürburgring das Leben retteten. Der Österreicher war in seinem brennenden Auto gefangen. Merzario stoppte seinen Wagen – und befreite Lauda.
Noch heute wird Merzario von der Motorsportwelt für diese Aktion verehrt. Auch deshalb ist er der perfekte Ehrengast am 22. Juli 2025 auf der Offenen Rennbahn in Zürich Oerlikon. Solidarität, Loyalität und echter Sportgeist stehen hier über allem. Sonst würde es diesen grandiosen Ort schon lange nicht mehr geben. res
Dienstag, 22. Juli, Präsentation historische Rennfahrzeuge.
18.00 Uhr: 1. Lauf
19.30 Uhr: 2. Lauf
20:30 Uhr: 3. Lauf
21.40 Uhr: Ausfahrt Autos und Motorräder
Dazwischen (Rad-)Rennbetrieb mit Stehern.
22.00 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 15. Juli 2025
Newsletter vom 11.07.2025

“Die Rennbahn war die zweite Heimat von Sepp”
Was er anfasste, wurde zu Gold. Er machte Urs Freuler zum Serien-Weltmeister und führte Robert Dill-Bundi 1980 auf den Olymp. Am 11. September 2024 endete das Rennen des Lebens für Sepp Helbling. Am kommenden Dienstag wird er auf der Offenen Rennbahn geehrt. Weiterer Höhepunkt des Meetings: das Punktefahren um das prestigeträchtige Blaue Band von Zürich.
Als sich Sepp Helbling am 11. September 2024 mit 89 Jahren in die Ewigkeit verabschiedete, erschienen auf der Homepage des FC Winterthur folgende Worte: «Mit grosser Betroffenheit haben wir vom Tod unseres früheren Weggefährten Josef Helbling vernommen. Im Namen des FC Winterthur kondolieren wir den Angehörigen und wünschen viel Kraft für die Trauer.»
Auch wenn Sepp Helbling vor allem im Radsport tiefe Spuren und ein immenses Lebenswerk hinterlassen hat, sagen diese Zeilen sehr viel über ihn aus. Als es dem FC Winterthur in den 1990-er Jahren sehr schlecht ging und der Klub einige Male am Abgrund stand, packte Helbling auf der Geschäftsstelle mit an – und verströmte mit seiner Sportbegeisterung frischen Enthusiasmus und neue Aufbruchstimmung.
Respektabler Rennfahrer
Helbling, geboren am 15. Juli 1935 in Jona, absolvierte 1953 sein erstes Bahnrennen und nahm 1960 an den Olympischen Spielen in Rom teil, wo er im Einzelzeitfahren über einen Kilometer auf den respektablen 8. Platz fuhr. Als Sportler blieb ihm der ganz grosse Triumph verwehrt, als Trainer und Funktionär aber setzte er Massstäbe. 1966 wurde er vom damaligen Nationaltrainer Oscar Plattner als Bahntrainer engagiert. Es sollte eine bahnbrechende Personalie gewesen sein.
Die Huldigung von Freuler
Der Glarner Ausnahmesprinter Urs Freuler sagt über Helbling: «Ich hatte in meinem Leben nur einen Trainer – Sepp. Und er war viel mehr. Er war einer meiner besten Freunde. Ohne ihn wäre ich nie zu dem Sportler und Menschen geworden, der ich heute bin.» Allerdings sei «Sepp» für ihn lange «Herr Helbling» gewesen. Erst nach dem ersten WM-Titel wurde Freuler von seinem Chef das «Du» angeboten.

15 Weltmeistertitel als Coach
Helbling war streng und herzlich zugleich. Er trainierte knüppelhart, besass als gelernter Tanzlehrer aber auch das Gefühl für elegante Zwischenschritte. Und genau diese Mischung machte es aus. Als Trainer feierte er nicht weniger als 15 Weltmeistertitel, zehn davon mit Freuler. An Olympischen Spielen gewann er mit seinen Fahrern einen kompletten Medaillensatz in der Einzelverfolgung: 1980 in Moskau Gold mit Robert Dill-Bundi, 1972 in München Silber mit Xaver Kurmann und davor ebenfalls mit Kurmann 1968 in Mexiko Bronze.
Sechstagerennen und Tour de Suisse
Und Helbling war dort, wo sich die Basis des Bahnsports befindet. 23 Austragungen des Amateur-Sechstagerennens im Hallenstadion trugen seine Handschrift als Organisator. Als Kommissär stand er zudem 32-mal an der Tour de Suisse und bei drei Weltmeisterschaften am Strassenrand.
Auch auf der Offenen Rennbahn spielte Helbling eine absolute Schlüsselrolle. An den Renntagen war er zwischen 2003 und 2019 für Rennbüro, Fahrermeldungen, Rennprogramm und Ranglisten verantwortlich. Wisel Iten sagt: «Sepp war quasi unser sportliches Gewissen». Bis zuletzt führte Helbling ausserdem die Statistiken nach – akribisch und mit höchster Disziplin.
Geburtstag am Dienstag
Urs Freuler verdankt Helbling seine grosse Karriere beim italienischen Profi-Team Atala. Im Sommer – als Vorbereitung auf die WM – kehrte er aber immer wieder zu seinem Mentor zurück: «Die Offene Rennbahn war meine zweite Heimat – und sie war die zweite Heimat von Sepp.» So schliesst sich am 15. Juli 2025 ein Kreis. Dann wäre Sepp Helbling 90 Jahre altgeworden. Dann wird ihm auf dem Oerliker Zement-Oval anlässlich des Abendmeetings die Referenz erwiesen. Es wird ein denkwürdiger Anlass – für eine der grössten Legenden des Schweizer Radsports.
Dienstag, 15. Juli, Rennprogramm.
18.00 Uhr: Scratch (U13/U15)
18.15 Uhr: Ausscheidung (U17/Frauen; U17/U19)
18.30 Uhr: Derny 1. Lauf (U23/Elite)
18.55 Uhr: Ehrung Sepp Helbling
19.05 Uhr: Ausscheidung (U17/19/Frauen)
19.15 Uhr: Ausscheidung (U13/U15)
19.25 Uhr Tempofahren (U19/U23/Elite)
19.40 Uhr: Pause
20.00 Uhr: Derny, 2. Lauf (U23/Elite)
20.25 Uhr: Scratch (U15/U17/Frauen; U17&U19)
20.35 Uhr: Derny, 3. Lauf (U23/Elite)
21.00 Uhr: Ausscheidung (U19/Frauen)
21.00 Uhr: Blaues Band (Punktefahren; U19/U23/Elite)
21.55 Uhr: Rennschluss
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Newsletter vom 04.07.2025

Gala der Steher und hoher Besuch aus Uster
Meetingabend ist Steherabend. Am kommenden Dienstag mit Gästen aus Holland (Reiner Honig), Deutschland (Vincent Vonhof, Luca Harter) und Frankreich (Emilien Clère, Lenny Chouffe). Ausserdem gastiert der RV Uster mit einer grösseren Delegation auf der Offenen Rennbahn. Mit dabei: Emanuel Plattner, lebende Radsport-Legende und ältester Schweizer Steher-Meister.
Der Radfahrer-Verein Uster ist eine Ikone im Schweizer Sport. Gegründet 1888 überlebte er zwei Weltkriege, den Untergang der Titanic, die Mondlandung, ein paar Börsencrashes und die Pandemie.
Gegründet wurde er vor 137 Jahren als «Velo-Club Uster». Der Namenswechsel vollzogen die Sportfreunde während der militärischen Aktivzeit. Grund: Im Aktivdienst gab es keine Velofahrer. Diese Bezeichnung war offenbar verpönt. Es gab nur stolze Radfahrer..
50 Gäste aus Uster
Auf Initiative von Klubpräsident Hans Temperli beehrt der Verein die Offene Rennbahn am kommenden Dienstag. Hatte Temperli ursprünglich mit einer Teilnahme von maximal 15 Mitgliedern gerechnet, wurde er richtiggehend überrannt. Angekündigt sind nun rund 50 Personen. Darunter zwei grosse Namen aus dem Bahnsport: Benny Herger, WM-Bronze-Medaillengewinner 1968 bei den Amateur-Stehern sowie Schweizer Meister 1972 und 1973. Herger ist noch immer Stammgast auf der Offenen Rennbahn und unterstützt von den heutigen Athleten vor allem Til Steiger und Claudio Imhof mit Rat und Tat.
Und Emanuel Plattner. Der heute 90-jährige Bauernsohn aus Maur ist der älteste noch lebende Steher-Meister (1968). Vor allem war Plattner ein Radfahrer, der an Vielseitigkeit kaum zu überbieten war. Neben dem Steher-Titel gewann er auch die Landesmeisterschaften im Quer, auf der Strasse sowie mit dem Militärrad.

Von Hugo Koblet inspiriert
Zum Radsport war er durch seine Bekanntschaft mit Hugo Koblet gekommen. Koblet lebte für kurze Zeit ebenfalls in der Gemeinde Maur und inspirierte Plattner zum Radfahren. Und er entdeckte damit ein Talent, das sonst vielleicht für immer verborgen geblieben wäre. Vor allem bergauf war Plattner eine Klasse für sich. Auf einem Damenvelo habe er alle Steigungen in der Umgebung bezwungen, erinnert er sich. Und durch seine technischen Fähigkeiten stiess er auch im Morast und im Oval schnell zur Spitze vor.
Das verweigerte Startgeld
AGerne hätte er seine Strassenkarriere intensiviert, aber zeitlich lag dies nicht drin: Schliesslich musste er immer auf dem elterlichen Bauernhof im Weiler Wannwis mithelfen. Auf die Frage, ob er mit dem Radsport je Geld verdient habe, muss er schmunzeln. Einmal (bei einem Quer auf der Zürcher Waid) habe er es gewagt, bei den Veranstaltern 50 Franken Startgeld zu fordern. Vergeblich. Immerhin wurde ihm die Gebühr von 6 Franken erlassen.
Trotzdem wurde Plattner durch den Radsport ein «reicher» Mann – reich an Erfolgen, Freunden und Erlebnissen. Dies alles wird wieder aufleben, wenn er sich am Dienstag auf die Tribüne der Offenen Rennbahn setzt. Dort wird für ihn ein Ehrenplatz reserviert sein.
Dienstag, 8. Juli, Rennprogramm.
18.35 Uhr: Scratch (U19/U23/Elite)
18.45 Uhr: Scratch (U19/Frauen)
18.55 Uhr: Ausscheidung (U15/U19/Frauen; U17/U19)
19.05 Uhr: Tempofahren (U19/U23/Elite)
19.20 Uhr: Steher International, 1. Lauf
19.45 Uhr: Pause
20.05 Uhr: Ausscheidung (U17/U19/Frauen)
20.15 Uhr: Steher International, 2. Lauf
20.45 Uhr: Scratch (U15/U17/Frauen; U17/U19)
20.55 Uhr: Punktefahren (U19/U23/Elite)
21.25 Uhr: Steher International, 3. Lauf
21.55 Uhr: Rennschluss
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 01. Juli 2025
Resultate Abendrennen 24. Juni 2025
Resultate Abendrennen 17. Juni 2025
Newsletter vom 13.06.2025

Die Könige der Rennbahn
Mit den Schweizer Meisterschaften im Sprint steigt am kommenden Dienstag ein erster Saisonhöhepunkt auf der Offenen Rennbahn. Höchst Zeit, um eine Ikone des Zementovals zu würdigen: Supersprinter Oscar Plattner.
Oscar Plattner, geboren am 17. Mai 1922, war nach Ernst Kaufmann der zweite grosse Schweizer Repräsentant im Sprint, der einstigen Königsdisziplin des Bahnrennsports. In Bern, wo der Bündner Oberländer aufwuchs, nannten sie den vifen KV-Stift «Splitter», weil er fast so dünn war wie eine Glasscherbe. Selbst im hohen Alter wirkte Plattner topfit, gertenschlank, ohne Übergewicht.
Schlagfertig und schnell
Auf Plattner trafen viele Attribute zu: gescheit, trickreich, sprachgewandt, schlagfertig, reglementskundig, schnell, sehr schnell, 1956 Weltrekord-Inhaber über 200, 250,500 und 1000 m mit fliegendem Start. Der ehemalige Buchhalter einer Berner Veterinärapotheke hätte wohl auch im Geschäftsleben Karriere gemacht, entschied sich indes für das Radsport-Metier. Als Anfänger, Junior und Amateurgewann er die Meisterschaft von Zürich, die Tessiner, Nordwestschweizer und Waadtländer Rundfahrt wie auch Biel-Lausanne, die Grossen Preise von Bassecourt und Freiburg sowie Kriterien en masse.
1946 lieferte Plattner den eindrücklichsten Beweis für seine Omnipräsenz: Schweizer Mannschaftsmeister über 100 km mit dem Radrennclub Bern, Schweizer Amateur-Strassenmeister und erster Schweizer Amateur-Sprinter-Weltmeister.

1947 wechselte Plattner ins Lager der Professionals und 1950 nach Zürich. Obwohl der kluge Taktiker auch als Berufsfahrer internationale Strassenrennen dominierte (1948 Zürich – Lausanne, 1948 WM-Teilnehmer auf der Strasse und der Bahn, 1950 Nordwestschweizer Rundfahrt), konzentrierte er sich fortan auf die Piste.
100 Sechstagerennen
Er bestritt hundert Sechstagerennen und gewann deren acht. Die Sprinter-Weltmeisterschaften trugen dem schlauen Rennfuchs je zwei Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ein, auf nationaler Ebene sammelte er 23 Meistertitel, wovon 20 im «Nobelfach» Sprint. Nur die Tour de Suisse liess Plattner stets links liegen. Er sah im Sommer die Berge lieber von unten; im Winter war es umgekehrt. Davos, wo Plattner einen Zweitwohnsitz besass, lernte den Rad-Weltmeister als eleganten Skifahrer kennen.
30 Minuten bockstill
Auf dem Rad war Plattner je nach Situation schnell oder langsam. Einmal stand er gegen Enzo Sacchi 30 Minuten bockstill, ehe er den Italiener mit einem unwiderstehlichen Angriff überlistete. Ähnliches erfuhren etliche Sprinter seiner Generation: Harris, Maspes, Van Vliet, Derksen, Senftleben, Rousseau. Doch seine Lieblingsgegner waren die Feierabend-Funktionäre. Oft machten sie hilflos die Faust im Sack, wenn der Mann in kurzer Hose Entscheide der hohen Herren anzweifelte und Protest einlegte, worauf Verdikte der Pseudoexperten korrigiert werden mussten.
Nach seiner 18-jährigen Profikarriere (1947 bis 1965) hätte sich Oscar Plattner getrost ins Stöckli zurückziehen können. Er hatte gut verdient und seine Gagen zum Teil in Immobilien gewinnbringend angelegt. Aber der weitgereiste Ex-Professional wählte nicht den Weg des geringsten Widerstands. Er absolvierte in Magglingen den ersten Schweizer Nationaltrainer-Kurs und wurde von 1966 bis 1982 der wohl erfolgreichste Schweizer Nationaltrainer.
Erfolgreicher Trainer
Die Medaillen, die er einst selbst gesammelt hatte, fuhren jetzt seine Eleven heraus. Xaver Kurmann, Robert Dill-Bundi, Daniel Gisiger und Urs Freuler waren des Meisters Musterschüler. Sie alle (und tausend andere) profitierten von Plattners gelungenstem Wurf, dem 1966 geschaffenen Kilometer-Test. Diese für den Nachwuchs äussert segensreiche Institution überlebte seinen Erfinder und dient auch heuer wieder als Sprungbrett für junge Talente. Oscar Plattners Verdienste um den Schweizer Radrennsport reichen weit über seinen Tod im August 2002 hinaus. Auf der Offenen Rennbahn sind sie bis heute zu spüren – besonders stark am kommenden Dienstag.
Dienstag, 17. Juni 2025.
Ab 16.00 Uhr: Schweizer Sprint-Meisterschaften U17, U19, U23, Elite.
Finals ab 20.10 Uhr.
Übriges Programm:
17.45 Uhr: Punktefahren (U17, U19, Frauen).
18.20 Uhr: Ausscheidungsfahren (U15/U17, Frauen U17, U19).
20.00 Uhr: Scratch (U15/U17, Frauen U17, U19).
20.30 Uhr: Ausscheidungsfahren (U19, U23, Elite).
21.05 Uhr: Punktefahren (U19, U23, Elite).
21.45 Uhr: Siegerehrungen Schweizer Sprint-Meisterschaften.
22.00 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR
Resultate Abendrennen 10. Juni 2025
Newsletter vom 06.06.2025

“Die Rennbahn besitzt einen einzigartigen Charme”
Sechsfacher Schweizer Meister, Champions-League-Sieger, WM-Silbermedaillengewinner, über 300 Länderspiele, 16 WM-Teilnahmen. Lebende Legende der ZSC Lions. Und stolzer Oerliker!
Mathias Seger (im Bildrechts – mit Wisel Iten) ist eine Ikone des Schweizer Eishockeys. Und er ist Stammgast auf der Offenen Rennbahn – jeweils auf der Gegentribüne, wo er es sich im Scheine der Abendsonne mit Freunden und Familie gemütlich macht. Im Interview erklärt der 47-jährige Familienvater seine Faszination für die alte Rennbahn.
Mathias Seger. Wie oft sieht man Sie auf der Offenen Rennbahn?
Immer, wenn es schönes Wetter ist. Das heisst: Wenn ich nicht gerade in den Ferien bin, sind die Dienstagabendrennen für mich fixe Termine.
Was macht für Sie diesen Ort aus?
Die Rennbahn besitzt einen einzigartigen Charme – und ganz viel Sportromantik. Hier treffen sich Menschen aus allen Schichten und Altersklassen. Familien verbringen den Feierabend hier, viele Stammgäste sieht man jeden Dienstag. Es gibt wunderbare Bratwürste, kühles Bier – und hochklassigen Sport. Auch für mich ist es immer wieder faszinierend, was die Bahnradfahrer leisten.
Und als Oerliker müssen sie eine doppelt spezielle Verbindung mit der Rennbahn haben?
Absolut. Wir wohnen in einem Haus in der Nachbarschaft, das noch ein Jahr älter ist, als die Rennbahn – erbaut im Jahr 1911. Auf der Rennbahn ist die Geschichte förmlich greifbar – sportlich, aber auch städtebaulich. Und es gibt einen Mann, der diese Historie vermittelt wie kein Zweiter: Wisel Iten. Wer das Vergnügen hat, mit ihm zu sprechen, kann sich der Faszination dieser Sportarena nicht mehr entziehen. Dazu kommt die wunderbare Atmosphäre: Ein friedliches Beisammensein mit der Skyline von Oerlikon im Hintergrund.
Sie sind an einem Restaurant beteiligt (Venus Bistro) und produzieren ein eigenes Bier (in der Brauerei Oerlikon). Bleibt da noch Zeit zum selber Velofahren?
Unbedingt. Und schon als Kind – und auch später als Eishockeyspieler – bin ich viel Rad gefahren. Ich habe es sogar im Juniorenalter zu den Schweizer Meisterschaften im Kilometertest geschafft. Auch auf der Bahn bin ich schon gefahren. Dazu kann sich sagen: Es sieht viel einfacher aus, als dass es ist. Aber wer bei Wisel den Kurs besucht, ist auf der sicheren Seite.
Was kann man als Eishockeyprofi von den Radfahrern lernen?
Die Fähigkeit, während längerer Zeit voll ans Limit zu gehen. Eishockey läuft mehr nach dem Intervallprinzip ab. Aber im Radsport muss man teilweise über Stunden die eigenen Grenzen ausloten. Für alle Sportarten gilt: Man lernt anderswo oft Dinge, die in der eigenen Sparte nicht möglich sind.
Was wünschen Sie sich für die Offene Rennbahn für die Zukunft?
Dass der Ort so erhalten bleibt, wie er ist – und dass man den Geist dieser einzigartigen Sportstätte in die nächste Generation transportieren kann. Es wäre schön, wenn sich auch noch mehr jüngere Menschen für die Rennbahn einsetzen würden – wie es Wisel und seine tapferen Helferinnen und Helfer tun.

Programm. Abendrennen 10. Juni. 2025.
18.40 Uhr: Tempofahren (Elite, U23, U19).
19.10 Uhr: Derny, 1.Lauf (Elite, U23).
19.35 Uhr: Tempofahren (Frauen, U19, U17).
19.50 Uhr:Ausscheidung (Elite, U23).
20.00 Uhr: Pause.
20.15 Uhr: Punktefahren (Frauen,U19, U17, U15).
20.30 Uhr: Scratch.
20.40 Uhr: Ausscheidung (Frauen, U19).
20.50 Uhr Derny, 2. Lauf (Elite, U23).
21.30 Uhr: Punktefahren (Elite, U23, U19).
22.00 Uhr: Rennschluss.
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR