
Wenn Motoren singen und Beine brennen
Die Offene Rennbahn Oerlikon ist mehr als nur eine Sportanlage – sie ist ein Stück lebendige Radsportgeschichte in der Stadt. Am Dienstag, 2. Juni, ist genau diese besondere Atmosphäre zu erleben, wenn die Steher hinter den schweren Motorrädern das Publikum in ihren Bann ziehen. Keiner weiss das besser als Jan Ramsauer.
Der 50-jährige Zürcher Oberländer kennt diese Welt aus beiden Perspektiven: als ehemaliger Steherrennfahrer und zweifacher Schweizer Meister und heute als sportlicher Leiter der Interessensgemeinschaft Offene Rennbahn Oerlikon. Das Oval im Norden Zürichs ist ein idealer Ort für Steherrennen, in denen die Grenze von 80 km/h regelmässig durchbrochen wird.

Die 333-Meter-Bahn sei nicht nur wegen ihrer Länge prädestiniert, um solche Geschwindigkeiten zu erreichen, so Ramsauer: «Die Bahn ist hervorragend erhalten, mit einer unversehrten Oberfläche – eine der schönsten Rennbahnen Europas».
Gerade für die Steher sei sie perfekt. Dass sie 1912 für diese Disziplin gebaut wurde, spürt man bis heute. Die langen, sauber zu fahrenden Kurven erlauben hohe Tempi – und genau das macht den Reiz aus. Hinter den schweren Motorrädern entstehe ein Sog, der es den Fahrern erlaube, über die natürlichen Grenzen zu gehen, erklärt Ramsauer: «Wenn du einmal im Rhythmus bist, spürst du, wie dich die Bahn und der Windzug des Motorrads mitzieht“. Entscheidend sei das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Schrittmacher – ein fast intuitives Teamwork bei solchen Geschwindigkeiten.
Dass diese Disziplin so fasziniert, liegt auch an ihrer Eigenheit: archaisch, laut, direkt – und zugleich hochpräzise. Jeder Meter, jede Linie entlang der Rollen entscheidet über Effizienz oder Energieverlust. Wer hier vorne mitfahren will, braucht Stehvermögen, Biss und Geduld, sagt Ramsauer. „Und ein gutes Gespür dafür, wie man sich im Windschatten bewegt.“
Am kommenden Dienstag wird genau diese Faszination wieder spür- und sichtbar. Wenn die Motoren aufheulen und die Steher in den Sog der Maschinen gehen, entsteht jener Moment, der die Rennbahn seit Jahrzehnten prägt: laut, nah, intensiv – und für viele erstmals überraschend eindrücklich.
Ramsauer hofft auf volle Felder und hochkarätige Rennen. Unter anderem hat sich der französische Publikumsliebling Emilien Clère aus Frankreich angekündigt: „Sechs Gespanne sind ideal – dann wird es für die Zuschauer wirklich spannend“, so Ramsauer. Und genau dafür ist Oerlikon gemacht: für Rennen, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Ein Abend, der zeigt, weshalb die Offene Rennbahn Oerlikon bis heute ein einzigartiger Ort geblieben ist – und warum die Steher das Publikum ganz besonders in den Bann ziehen.

Programm. Dienstag, 2. Juni 2026
18.50 Uhr: Scratch (U15/U17/Frauen U19)
19.00 Uhr: Tempofahren (U19/U23/Elite)
19.15 Uhr: Ausscheidung (U15/U17/Frauen U19)
19.25 Uhr: Scratch (U19/U23/Elite)
19.35 Uhr: Punktefahren (U15/U17/Frauen U19)
19.45 Uhr: Pause
20.05 Uhr: Steher, 1. Lauf
20.30 Uhr: Ausscheidung (U19/U23/Elite)
20.40 Uhr: Punktefahren (U17/U19/Frauen U21)
20.55 Uhr: Punktefahren (U19/U23/Elite)
21.25 Uhr: Steher, 2. Lauf
21.55 Uhr: Rennschluss
Öffentlichkeitsarbeit: Thomas Renngli | IGOR